Was ist Integrative Chinesische Medizin (ICM)?
Integrative Chinesische Medizin (ICM) ist ein Diagnose- und Behandlungssystem, das die Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) mit westlicher Kräutermedizin und moderner Phytopharmakologie verbindet. Entwickelt von Jeremy Ross über 45 Jahre hinweg, integriert ICM diese Ansätze in die konventionelle Medizin, um Diagnosen und Therapien effektiver zu gestalten.
Die Vier Ungleichgewichte und die Fünf Organe
Das Herzstück der ICM-Diagnose ist das Konzept der Vier Ungleichgewichte:
Leere, Stagnation, Störung und Übermass.
Diese werden mit den Fünf Organen der TCM (Herz, Leber, Milz, Lunge, Niere) verknüpft.
Die Vier Ungleichgewichte bieten eine klare Übersicht, um die Bedürfnisse des Patienten in Bezug auf Mangel, Blockaden, Störungen oder Überschüsse schnell zu erkennen. Durch dieses System kann die oft komplexe Diagnose vereinfacht werden, was zu präzisen und individuellen Behandlungsplänen führt.
4 Qi Imbalances + 5 Elements (http://www.jeremyross.com/treatDiagnosis.asp)
ICM-Diagramme helfen, Symptome und Behandlungen visuell darzustellen. Diese visuelle Methode erleichtert es den Praktizierenden, komplexe Krankheitsbilder schnell zu erfassen und zu behandeln.
Differenzierte Diagnose in ICM
Ein weiteres wichtiges Instrument der ICM-Diagnose sind die differenzierten Fragen, die es ermöglichen, spezifische Syndrome genau zu erkennen. Diese Fragen helfen den Praktizierenden, die genaue Art der Dysbalance des Patienten schnell zu bestimmen.
Phytotherapie nach Jeremy Ross: Ein Integrativer Ansatz
Das Herzstück der ICM sind die Auswahl, Beschreibung und standardisierte Herstellung der Phytotherapeutika.
Jeremy Ross’ Phytotherapie vereint die Stärken der westlichen Kräutermedizin mit der Diagnose- und Behandlungslehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Während westliche Phytotherapie oft symptomatisch vorgeht, betont Ross eine tiefergehende, differenzierte Betrachtung auf Basis der chinesischen Organsyndrome.
Westliche Pflanzen werden nicht nur nach ihren Wirkstoffen, sondern auch gemäß TCM-Prinzipien wie Temperatur, Geschmack und Wirkung auf Organe klassifiziert.
Ross verbindet drei zentrale Wissensstränge:
- Traditionelle westliche Phytotherapie: Mit ihrer reichhaltigen Geschichte und bekannten Anwendungen.
- Traditionelle Chinesische Medizin: Ross ordnet westliche Pflanzen den chinesischen Organsystemen zu und nutzt deren diagnostische Präzision.
- Moderne phytopharmakologische Forschung: Für jede Pflanze untersucht er wissenschaftliche Daten, die traditionelle Erkenntnisse bestätigen oder erweitern.
So können z.B. Rosmarin und Lavendel, die beide Kopfschmerzen behandeln, durch Ross' System in unterschiedliche Kategorien eingeordnet werden:
Rosmarin tonisiert das Leber-Qi, während Lavendel das Herz-Qi beruhigt. Diese präzise Differenzierung bietet eine tiefere, individuellere Behandlungsmethode.
Ross legt besonderen Wert auf Therapiesicherheit. In seiner „Klinischen Materia Medica“ sowie „Die Rezepturen“ kombiniert er traditionelle Anwendungen mit modernen klinischen Studien und liefert detaillierte Angaben zu Dosierung, Kontraindikationen, Wechselwirkungen und pharmakologischen Wirkungen.
Dieser integrative Ansatz ermöglicht eine differenzierte und individualisierte Therapie, die die besten Aspekte beider Medizinsysteme vereint und dabei moderne wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt.